Tastatur

Die Tastatur von Hammond Orgeln ist äusserst robust. Allerdings lagert sich auf den Tasten eine Dreckschicht ab, die sich nur durch auspolieren restlos entfernen lässt. Eine zeitaufwändige Angelegenheit, die sich aber lohnt. Für das gute Spielgefühl sind Filze verantwortlich. Es gibt einen Stoppfilz für das Niederdrücken der Taste und eine Stoppfilz für das Loslassen. Befilzte Tastenkämme (Keycombs) sind für die laterale Führung der Tasten zuständig. Nach 40 und mehr Jahren sind diese Filze verhärtet und einfach ausgelatscht. Sie sollten ersetzt werden. Im weiteren könne Zinkhaare und der berüchtigte "Gooey Foam" zu einem Problem werden.





Up und Downstop Felts

Die Stoppfilze der Tastatur sind in guter Qualität passgenau relativ günstig zu kriegen. Bei den neueren Modellen (B3-Familie) lassen sich die Filze auch mit relativ geringem Aufwand wechseln. Dazu findet man auch Videos auf Youtube. 
Bei der B2/C2 und älteren Modellen ist die Arbeit allerdings mit riesigem Aufwand verbunden. Um an die Schrauben zu kommen, welche die vorderen Blechstreifen fixieren, müssen im Minimum die Tasten in der Gegend dieser Schrauben entfernt werden. An die Schraube ganz rechts kommt allerdings auch dann kaum ran. Am besten man erledigt diese Arbeit bei diesen Modellen gerade in einem Aufwasch mit anderen notwendigen Restaurationsarbeiten.

Neue Up und Downstop Felts an einer Hammond C2


Keycombs

Die Keycombs sind für die laterale Führung der Tasten verantwortlich. Diese Filze nutzen sich ab, so dass sie mit der Zeit (und diese Zeit ist in der Regel jetzt gekommen) ersetzt werden sollten. Notfalls kann man versuchen die Filze durch Zusammendrücken der Nieten auseinanderzudrücken. Es besteht aber auch die Möglichkeit sich die Tastenkämme von Michael Ansorge in Deutschland neu befilzen zu lassen. Das ist allerdings nicht ganz billig. Kommt dazu, dass danach die Filze noch nachgearbeitet werden müssen. Der Wiedereinbau der Tasten wird so zu einer sehr zeitintensiven Angelegenheit.
 

Tastenreinigung

Die Tasten werden zuerst mit einer Seifenlösung vom Dreck befreit und anschliessend (je nach Wunsch, da zeitintensiv) poliert. Auch dazu gibt es ein schönes Video auf Youtube.


Im Innern der Manualkästen

Auf allen verzinkten Blechen einer Hammondorgel bilden sich über die Jahre feine Häärchen, die elektrisch leitend sind. Diese Haar ziehen sich wie ein Flaum über die ganze Orgel und können ein vielfältiges Fehrverhalten hervorrufen. Unter anderem führen diese Häärchen im Innern der Manualkästen zu Kurzschlüssen und Fehlkontakten, welche Teiltöne ganz ausschalten, dafür sorgen, dass die Percussion ausfällt, oder den Klang negativ beeinflussen (dumpferer Klang). Deshalb werden die Manualkästen geöffnet und gereinigt. Ich versiegle die Oberflächen mit DeOxit oder WD40 oder Ballistol, damit der Nutzer für die nächsten Jahrzehnte Ruhe vor der Plage hat.

Der leicht glitzernde Belag an den Blechen sind die Zinkhaare.

Die Plage mit dem Schaum

"Gooey Foam" heisst das Schreckenswort, dass die Hammond-Gemeinde in Angst versetzt. Irgendwann um 1964 herum ist Hammond auf die - wie mittlerweile klar ist - schlechte Idee gekommen, die Filzstreifen, welche die Manuale gegen Staubeintritt abschotten sollten durch einen Schaumstoff zu ersetzen. Dieser Schaumstoff unterliegt einer chemischen Zersetzung. Er wird schmierig flüssig. Da er in Kontakt ist mit den feinen Verharfungsdrähten, welche die einzelnen Töne des Tongenerators auf die Tastenkontakte verteilen, kann er diese Drähtchen zerfressen und den Kontakt unterbrechen. Das typische Symptom sind einzelne fehlende Teiltöne auf einzelnen Tasten. Im Extremfall liegt ein Totalschaden vor und man muss teuer und mühsam Ersatzmanuale beschaffen. 
Deshalb ist es dringend zu empfehlen Orgeln mit diesem Schaumstoff zu sanieren, bevor Schlimmeres passiert. Der Fachmann kann relativ leicht feststellen, ob eine vorliegende Orgel mit Filzstreifen oder Schaumstreifen versiegelt ist. Die Zersetzung dieses Schaums hängt von äusseren Faktoren ab. Orgeln in feuchtem Klima scheinen schneller davon betroffen zu sein. Früher oder später muss aber jeder Besitzer einer solchen Orgel mit Schlimmerem rechnen. Deshalb mein Rat: Nicht zuwarten!


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