Tongenerator

Ölfäden, Pickups, Tonräder

Generell machen die Tongeneratoren auch nach 40 Jahren wenig Probleme. Bei jeder Restauration wird der Tongenerator aber auf seinen Zustand hin überprüft. An erster Stelle stehen die Lebensadern des Generators: Die Baumwollfäden, welche die vielen Sinterbronzelager des Generators mit frischem Öl versorgen. Hier kommt es nicht selten vor, dass ein oder mehrere Ölfäden bereits gerissen sind oder die "Zupfprobe" nicht überleben. Ein auf den ersten Blick kleiner Schaden, der unbedingt behoben werden muss. Der Aufwand ist leider beträchtlich: Um die neuen Ölfäden in den Öltrog einzuziehen, muss die Filterplatte komplett entfernt und natürlich wieder montiert werden. 

Ein neuer Faden wird eingeschlauft......und in den geöffneten Öltrog gelegt


Es kommt selten auch vor, dass ein Pickup neu gewickelt werden muss oder ein Tonrad ausgewechselt werden muss. Letzteres ist aber nur möglich, falls überhaupt Ersatz vorhanden ist. Möglich ist der Ersatz einzelner Töne durch Elektronik.


Alte Wachskondensatoren

Bei älteren Orgeln ist auch der Tongenerator mit Wachskondensatoren bestückt. Diese Kondensatoren bilden zusammen mit dem Spulen ein Bandpassfilter, welches einst so abgestimmt war, dass genau die Grundfrequenz des jeweiligen Tonrades der Resonanzfrequenz des Filters entsprach. Zu der damaligen Zeit waren die Fertigungstoleranzen der Kondensatoren noch viel grösser als heute. In der Hammond-Fabrik wählte man zur jeweiligen Spule einen passenden Kondensator um die richtige Resonanzfrequenz zu erhalten. Die Kondensatoren haben nur zwei verschiedene nominelle Werte: 105 nF und 255 nF. Man konnte die Streuung um diese nominellen Werte nutzen um den obigen Selektionsprozess auszuführen.



Da die Wachskondensatoren ihre Werte dramatisch ändern, stimmen dieses Resonanzfrequenzen natürlich überhaupt nicht mehr. Als Folge davon klingt die Hammond Orgel nun nicht mehr so, wie es eigentlich einmal der Fall war. Die Amplituden der entsprechenden Töne nehmen ab. Kompensiert man dies durch Erhöhung der Lautstärke, indem man die Tonabnehmer näher an die Tonräder rückt, so verstärkt man in gleichem Masse Störgeräusche.

Muss man wechseln?

Wenn man zufrieden ist mit dem Klang seiner Orgel, gibt es natürlich kein Grund zum Wechsel. Ein dumpfer Klang kann durchaus ein Hinweis auf schlecht abgestimmte Filter sein. Allerdings muss man zuerst andere Ursachen, die für den dumpfen Klang verantwortlich sein können ausschliessen. In Frage kommte eine schlechte Anbindung des Leslies oder aber auch die berüchtigten Zinkhaare, die sich auch auf der Oberfläche der Manualkästen bilden und im Innern zu Kurzschlüssen führen können. Da diese Kurzschlüsse nicht unbedingt gut leitend sind, können sie sich durch einen Verlust der hohen Frequenzen bemerkbar machen. Ein Kondensatortausch ist nur in gut begründeten Einzelfällen zu empfehlen.
Eine gut kalibrierte Orgel mit neuwertigen Kondensatoren hat allerdings die Eigenschaft, dass wirklich jede Zugriegeleinstellung anders tönt. Ändert man nur ein Zugriegel um einen Tick, so hört man dies deutlich. Man muss sich ebenfalls bewusst sein: Eine Hammondorgel mit alten elektronischen Bauteilen klingt nicht mehr so, wie sie ursprünglich klang. Dieser "Vintage"-Klang mag einem gefallen - das muss jeder selber beurteilen - hat aber wenig mit dem Originalklang der Orgel zu tun. Laurens Hammond hat seine Orgel als Ersatz für Pfeiffenorgeln in Kirchen gebaut. Eine Hammondorgel, die durch Austausch der gealterten Bauteile und Rekalibrierung wieder auf Werksklang gebracht wurde, ist tatsächlich erstaunlich gut geeignet auch für solch typische Kirchenorgelliteratur verwendet zu werden. 

Kondensatortausch

In untenstehender Grafik sieht man die Ausgangspegel der Hammond M3 Nr. 58280, gemessen direkt am Tongenerator. Die Orgel war ursprünglich mit Wachskondensatoren bestückt und klang extrem dumpf. Der Grund dafür ist deutlich an den schwarzen Säulen zu sehen. Nach dem Kondensatorwechsel wurden die blauen Pegel erreicht. Dabei wurde die Resonanzfrequenz für jedes Filter bezüglich der optimalen Kapazität ausgemessen. Nach diesem aufwändigen Prozedere war eine Rekalibrierung des Tongenerators unumgänglich. Das Endresultat sind die rot eingefärbten Ausgangspegel.



Der Kondensatortausch ist relativ aufwendig. Mit Vorteil baut man die Manuale aus, um an die Filter ranzukommen. Muss dann auch noch rekalibriert werden, so muss man den Tongenerator ganz ausbauen. Die Magnetstifte sind in manchmal völlig festgesessen und kaum zu bewegen. 

Wie tönt das Ganze? Meine eigene Hammond C2 besitzt neue Kondensatoren -  ich habe sie bereits so erhalten - und ich schwöre auf den Sound dieser sauber kalibrierten Orgel. Keine Angst, die schönen Störgeräusche gehen nicht verloren. Es ist immer noch genügend Crosstalk und Schmatz vorhanden.




Für Interessierte hier noch eine weiterführende Lektüre.

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